TAUFE IM GEFÄNGNIS VON GUADELOUPE

Raubmord

Auf der zu Frankreich gehörenden Karibikinsel Guadeloupe kam es zu einem Raubmord. Raubüberfälle gab es dort öfters, aber bisher niemals im Zusammenhang mit einem Mord. Es war das erste Mal. Bald hatten sie den Mörder gefasst und es kam zum Prozess. Der Gefangene beteuerte seine Unschuld, doch er wurde zum Tod durch Enthauptung verurteilt. Der Mörder kam in eine Einzelzelle mit Ausblick zum Innenhof. Das war das Schlimmste in seiner Situation.

Besuch beim Todeskandidaten

Bald kam der erste Samstag. Plötzlich hörte er über einen Lautsprecher eine Frauenstimme singen und Jesu Worte predigen. Der Mörder rief den Wärter und fragte: „Wer singt da?“ „Ach“, meinte dieser, „das kommt aus der Adventgemeinde.“ „Bitte, lass mich mit dieser Frau reden,“ bat der Gefangene. Die Frau besuchte ihn und dabei stellte sich heraus, dass sie den 22-jährigen Jo als Kind gekannt hatte. Sie war schockiert und fragte: „Was kann ich für Dich tun?“ Der junge Mann sagte: „Ich muss sterben, aber wie kann ich das ewige Leben bekommen?“ Die Glaubensschwester fühlte sich überfordert und benachrichtigte Prediger Samuel Monnier. Der Gefängnisdirektor erlaubte den Besuch und Jo lernte den Prediger kennen. Nachdem er sich vorgestellt hatte, forderte er Jo auf: „Erzähl mir etwas über deine Familie, und warum du Besuch von einem Adventistenprediger haben wolltest?“

Erinnerungen

Jo begann: „Ich war 14 Jahre alt. Meine Mutter putzte gerade Fenster. Dabei beobachtete sie, wie zwei Frauen von Haus zu Haus gingen. Sie waren eben bei unseren Nachbarn angekommen. Meine Brüder und ich gingen den Frauen nach. Wir wollten wissen, was sie machen. Eine Stunde später waren sie auch bei uns. Wir waren zehn Kinder. Mutter sperrte uns ins Schlafzimmer ein, und wir durften uns nicht rühren. Die Frauen zeigten meiner Mutter eine Bibel. Aber meine Mutter wollte sie nicht kaufen. Sie hatte kein Geld. Da sagten die Frauen: „Dieses Buch hat unser Leben verändert.“

Nun durften wir Kinder alle kommen und zuhören. Die beiden Frauen besuchten uns seitdem jeden Sabbatnachmittag. Eines Tages starb unser jüngster Bruder. Mein Vater bestellte den Priester zur Beerdigung, aber er weigerte sich, sie zu halten. Nur unter einer Bedingung, war er bereit das Begräbnis durchzuführen. Meine Eltern mussten versprechen, nie mehr die beiden Frauen aus der Adventgemeinde zu empfangen. Aber die Frauen kamen wieder und mein Vater sagte ihnen, dass es das letzte Mal sein müsste. So beteten die Frauen mit unserer ganzen Familie, nannten jeden von uns mit Namen und zum Schluss umarmten sie noch uns Kinder und unsere Eltern. Zuletzt sagten sie: „Solltet ihr jemals im Leben in Nöte kommen und keinen Ausweg mehr wissen, dann sucht eine Adventgemeinde.“

Ich wurde 20 Jahre alt. Mein Vater schickte mich in die Stadt. Ich sollte mich selbst versorgen und Geld verdienen. Dort fand ich die falschen Freunde. Sie verführten mich zum Trinken und Rauchen. Ich war traurig und hatte Heimweh. Ein Kumpel sagte: „Jo, wir werden bald reich sein und alle Probleme sind dann verschwunden.“ Eines Nachts überfielen wir einen sehr reichen Mann in seiner Wohnung. Er wachte auf. Ich musste ihm den Mund zu halten. Doch er war stark und wehrte sich. Da warf mir mein Freund einen Dolch zu und ich erstach ihn. Pastor, was soll ich tun um gerettet zu werden?“

Es gibt nur einen Weg

„Es gibt nur einen Weg,“ sagte Pastor Monnier. „Lies die Bibel, gehe zu Jesus, bereue und lass dich taufen.“ „Nein,“ entgegnete Jo „das will ich nicht.“ „Dann auf Wiedersehen,“ verabschiedete sich Pastor Monnier. „HaIt, Pastor. Bleib!“ schrie Jo ihm nach. Aber der Pastor ging und versuchte mit dem betagten Gefängnisdirektor zu sprechen. Als er dem alten Mann gegenüber saß, fragte dieser: „Sind Sie der Pastor?“ Und dann erklärte er: „Jo ist ein schlechter Mensch. Ich bin sein Richter. Ich werde ihn hinrichten lassen.“

Zwei Tage später stand in der Zeitung: „Der Mörder hat gestanden“. Jo hatte außerdem den Präsidenten von Frankreich um Begnadigung gebeten und wartete auf Antwort. Er wollte nicht sterben. Während dieser Zeit bekam er Bibelstunden im Gefängnis und das Wort Gottes wirkte an seinem Herzen. Schließlich wurde sein hartes Herz weich und er bekehrte sich. Er hatte alles verstanden. Sein letzter Wunsch war: „Ich möchte getauft werden.“

Als der Gefängnisdirektor davon erfuhr, sagte er zum Pastor: „Das kann nicht verkehrt sein. Nehmen Sie Wasser und besprengen sie ihn.“ „Nein,“ meinte der Prediger „zum Taufen brauche ich viel Wasser. Mindestens so viel, wie in eine Tonne passt. Im Gefängnishof steht solch ein Fass, und es muss hergerichtet werden, dann kann die Taufe dort stattfinden. Jo soll die biblische Erwachsenentaufe durch Untertauchen haben.“ Nach langer Überzeugungsarbeit willigte der Gefängnisdirektor schließlich ein.

Taufe im Gefängnis

Der Tauftag kam. Das Miniaturbecken war sauber und gut mit Wasser gefüllt. Es war für das ganze Gefängnis ein besonderer Tag. Pastor Monnier hatte es arrangiert, dass das gesamte Personal zusammen mit allen Gefängnisinsassen zusehen konnte. Die Wachen standen mit Maschinengewehren drum herum. Alle Gefangenen konnten von ihren Zellen aus dem Geschehen im Innenhof zuschauen. Der Pastor hielt eine extra lange und feierliche Predigt. Einige Glaubensgeschwister durften anwesend sein. Der Gemeindechor sang: „So wie ich bin ohn‘ alle Zier, komm ich Herr durch dein Blut zu dir…“ Dann löste man die Handschellen. Jo stieg ins Wasser und wurde zur Taufe untergetaucht. Dazu musste er sich nur im manneshohen Fass bücken. Er passte genau in die vorbereitete Tonne. Schließlich verschwand auch sein Kopf. Dann tauchte Jo wieder auf. Er war auf seine Weise durch den Jordan gegangen. Danach strahlte er vor Freude und rief laut: „Ich bin frei, ich bin frei!“

Doch im selben Augenblick schnappten die Handschellen wieder zu. Er war frei und doch noch gefangen. Wie sollte er je aus dem Gefängnis freikommen? Jo wusste, dass die ganze Gemeinde für ihn betete. Einige Zeit später ließ der Richter Pastor Monnier zu sich kommen. „Pastor“, sagte er, „Sie haben einen guten Dienst getan. Jo ist ein anderer Mensch geworden“. Obwohl Jo zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, begnadigte man ihn nach 18 Jahren. In dieser Zeit kümmerte er sich um die Gefangenen. Dadurch bekehrten sich weitere 27 Verbrecher. Nach seiner Entlassung wurde Jo Prediger.

Nach 25 Jahren

25 Jahre später begegnete Jo noch einmal Pastor Monnier. Er war mit tausenden Gemeindegliedern zum Flughafen gekommen, um ihn zu empfangen. Inzwischen war Jo ein weißhaariger Mann geworden, hatte aber eine glückliche Familie und vier Kinder. Alle waren versammelt. „Ich war ein Mörder,“ sagte er zu Pastor Monnier, „aber ich bin Gott treu geblieben.“

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