VOM PROKURISTEN ZUM PREDIGER

Beruflich war ich als ehrgeiziger, junger Manager sehr engagiert. Eines Tages lieh mir unser Prediger das Buch „Und ihre Lampen verlöschen“ (J. F. Lövgren, Brockhaus). Da ging mir auf, dass man sehr aktiv in der Gemeinde sein kann, ohne ein echter Christ zu sein. Danach las ich das Buch „Ich war ein Gangster“ (Jim Vaus, Brockhaus). Der Gangster Jim Vaus bekehrte sich, bekannte rückhaltlos seine Sünden, ersetzte gestohlene Güter und sagte sich von seinen Mitgangstern los. Ich war erstaunt über die Führung Gottes in seinem Leben. Ich fragte mich, „warum greift Gott nicht deutlicher in meinem Leben ein?“. So betete ich: „Herr, ich will jetzt mit Deiner Hilfe alle meine Sünden bekennen und mein Leben in Ordnung bringen. Außerdem will ich eine Stunde früher aufstehen und diese Zeit dem Wort Gottes und dem Gebet widmen. Dann will ich sehen, ob du auch in meinem Leben eingreifst.”

Ich setzte in die Tat um, was ich mit Gott besprochen hatte. Zuerst bekannte ich Gott meine Sünden und brachte verschiedene Dinge wieder in Ordnung. Dabei bat ich Gott, die betroffenen Personen darauf vorzubereiten. Die Ergebnisse waren so ermutigend, dass ich diese Reihenfolge beibehalten habe. Ich stellte fest, dass die Investition von einer Stunde Zeit in die tägliche Andacht kein Zeitverlust war, sondern ein Gewinn für den ganzen Tag.

Durch den Besuch zweier Freunde entstand die Idee, ein Jahr das Newbold College in England zu besuchen, um dort Englisch und einige Bibelfächer zu studieren. Als ich eine Voranfrage an meinen Chef wegen einer möglichen Beurlaubung richtete, lehnte er entschieden ab.

In einem Gebet am Morgen bat ich Gott, er möge mir sagen, ob ich nach England gehen soll oder nicht. Danach war ich still und bekam den Eindruck: „Geh nach England.“ Aber kurz nach dem Beten war ich mir unsicher, ob das eine Antwort Gottes oder meine Einbildung war. So brachte ich Gott am nächsten Morgen erneut mein Anliegen vor. In der Stille empfand ich wieder die Antwort: „Geh nach England“. Wieder war ich unsicher. Außerdem wurde mir bewusst, dass es unbedingt notwendig war nach England zu gehen, wenn dies der Wille Gottes für mich wäre. Das hätte auch bedeutet, meine gute Stelle zu kündigen, wenn mein Chef bei seinem Nein blieb. So betete ich erneut am dritten Morgen: „Vater, sei nicht böse, dass ich dich erneut um Antwort bitte. Du weißt, dass ich mit dem Hören auf deine Stimme noch keine Erfahrung habe. Außerdem muss ich vielleicht meine Stellung kündigen.
Und dazu kommt, dass Ingrid dann mit unserem Sohn in dieser Zeit allein wäre. Ich bitte dich daher zusätzlich, dass du Ingrid, unabhängig von mir, Klarheit gibst und dass ich anschließend in deinem Wort eine Bestätigung finde.“ In der Stille sagte mir Gott erneut „Geh nach England“. Dann fand ich auch in der Bibel die Bestätigung. Meine Frau sagte nach meiner Andacht zu mir: „Hast du schon eine Antwort wegen England? Mir ist klar: Du sollst nach England gehen.“

Wir beteten, dass mein Chef mich für den neunmonatigen Englandaufenthalt beurlaubt, ohne dass ich meine Stellung kündigen muss. So meldete ich mich am nächsten Morgen bei meinem Chef vom Urlaub zurück und brachte sofort mein Anliegen vor. Er genehmigte es auf der Stelle. Später reute es ihn, aber er brach sein Wort nicht.

Auf einer anschließenden Geschäftsreise sagte mir mein Chef, dass er mein Gehalt erhöht habe. Dieses zusätzliche Geld deckte später das gesamte Schulgeld. Ich hatte einige Jahre zuvor eine Geschäftsverbindung angeknüpft, die für den Konzern sehr gewinnbringend war. Daher fragte ich Gott, ob ich während meines Aufenthalts in England um die Weiterzahlung von DM 500.- Gehalt bitten sollte. Gott gab mir keine Antwort. So beschloss ich, meinen Chef nicht um das Geld zu bitten und überließ die Sache Gott. Kurze Zeit später eröffnete mir der Chef: „Ich kann Ihnen eine erfreuliche Mitteilung machen. Wenn Sie in England sind, bekommen Sie DM 500.- Gehalt weiterbezahlt.“ Wir staunten und dankten Gott.
Jahre zuvor hatten uns zwei Ärzte erklärt, dass meine Frau kein weiteres Kind empfangen werde. Aber nach zehn Jahren war sie plötzlich wieder schwanger. Trotz anfänglicher Zweifel, den Studienaufenthalt in England unter diesen Umständen doch fallen zu lassen, fuhr ich Ende August 1965 mit dem Nachtschnellzug über Brüssel – Ostende -Dover schließlich nach London.

Auf der Missionsschule fand ich in Erik einen Freund. Er war Prediger, Jugendsekretär des Schwedischen Verbandes. An einem Freitagnachmittag spielte Erik Fußball mit den jüngeren Studenten. Während des Laufens brach er tot zusammen. Ich war sehr traurig. Fast unmittelbar nachdem ich davon gehört hatte, kam in mir die Frage auf: „Wen wird der Herr an seine Stelle rufen, um das Evangelium zu verkündigen?“ Ein paar Stunden später kam eine zweite Frage in meinen Sinn: „Und wenn Gott dich rufen würde?“ Ich wollte auf keinen Fall Prediger werden. Ich war mit Begeisterung Kaufmann, hatte eine hochinteressante Tätigkeit, war in meiner Firma sehr geschätzt und wohnte in einer der schönsten Gegenden Deutschlands. Die Frage beunruhigt mich sehr. Ich sagte zu Gott: „Es braucht doch nicht jeder Prediger zu werden. Ich arbeite doch mit in der Gemeinde und ich kann mich noch stärker engagieren.“ So ging es Tag für Tag eine ganze Woche. Als ich am Freitagabend wieder an meinem Bett kniete kam ganz leise der Gedanke auf: „Gott liebt dich! Er liebt auch deine Frau und deinen Jungen und das Ungeborene. Er wird dich doch nicht als Prediger berufen um dann dich und deine Lieben unglücklich zu machen. Und wenn er dich rufen sollte, dann stattet er dich auch mit den notwendigen Gaben für diesen Dienst aus. Da er dich liebt, wird er dich den bestmöglichen Weg führen.“

So sagte ich im November 1965 zu Gott: ’Vater im Himmel, ich glaube an deine Liebe, Allwissenheit und Allmacht. Es tut mir leid, dass ich dir sagen muss, dass ich von mir aus kein Prediger werden will. Aber solltest du es wollen, dann bin ich dazu bereit. Ich will ab jetzt in allen Dingen deinen Willen tun. Ich werde mich nie als Predigerinteressent melden. Solltest du mich haben wollen, dann musst du mich rufen.“ Nach diesem Gebet hatte ich Frieden. Damals wusste ich nicht, dass einige Freunde dafür beteten, ich möge mich für den Predigtdienst entscheiden. Der Herr hatte ihr Gebet erhört.

Ich beendete mein Studium am Newbold College im Frühsommer 1966 und war dann wieder in meiner Firma tätig. Als ich ein weiteres Jahr später zu einer Sitzung des Südbayerischen Vereinigungs-Ausschusses kam, traf ich im Eingangsbereich den Vorsteher. Er wollte mich einen Augenblick sprechen. Da wusste ich, was jetzt kommen würde. Er sagte: „Durch die Ausbildungslücke im Krieg und durch den Tod von etlichen Predigern, ist eine große Lücke entstanden. So wollen wir einige Brüder aus den Gemeinden in den Predigtdienst rufen. Wir sind zum Ergebnis gekommen, dass du einer dieser Brüder sein könntest.“ Ich bedankte mich für das Vertrauen und bat um Bedenkzeit. Meine Frau und ich beschlossen, für dieses Anliegen vier Wochen zu beten und zu fasten. Wir kamen beide zur Gewissheit, dass dies Gottes Ruf wäre. So wurde ich 1968 im Alter von fast 38 Jahren Prediger.

Als ich siebzehn Jahre alt war, entschied ich mich bei einem Aufruf für die Taufe. Ich war der Überzeugung, dass die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten die Wahrheit vertritt und dass sie Gottes Gemeinde der Endzeit ist. 19 Jahre später, durch mein Erlebnis in England, wurde mir jedoch klar, dass ich nur die allgemeinen Lehren des Wortes Gottes akzeptiert hatte. Ich hatte Jesus Christus nicht als meinen Herrn angenommen. Ich hatte meinen Lebensweg bis dahin selbst bestimmt und gebetet, dass der Herr ihn segnet. Der Entschluss, im November 1965 Jesus als Herrn anzunehmen und ihm in allem zu folgen, hat mein ganzes Leben positiv verändert.

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